Ein Jahr später…

Natürlich wäre es gut gewesen, dieses Post schon vor einem Monat zu schreiben. So wie es von mit geplant war. Naja. Dann halt jetzt. Vor gut einem Jahr ist also dieser kleine Mensch in mein Leben getreten und hat eben dieses in wunderbarer Weise auf den Kopf gestellt. Ein paar Dinge, die ich in den vergangenen 12,13 Monaten gelernt habe:

  • Kinderwagenschiebende Frauen schauen meistens aus, als ob man ihnen die Butter vom Brot gfladert hätte. Seit ich diese Beobachtung gemacht habe, schiebe ich das Wagerl prinzipiell mit einem sanften Lächeln auf den Lippen durch die Gegend. Allerdings fürchte ich, dass ich dadurch nicht glücklich entspannt wirke, sondern mich im Graubreich zwischen debil und Axtmörderin befinde. Naja, besser als grantig.
  • Kinder- und Katzenspielzeug sind sich sehr ähnlich und in weiterer Folge austauschbar. Als Grundregel kann man sagen, dass für die eine gerade das interessant ist, was die andere hat.
  • Bei jedem neuen Entwicklungsschritt des Nachwuchses freut man sich zunächst sehr, um dann in leichte Panik zu verfallen. Beispiel: Sie kann sich umdrehen! Mist, jetzt kann ich sie nicht mehr am Sofa liegen lassen, während ich duschen gehe. Oder: Sie kann gehen! Mist, sie versteht das Wort “Stopp” noch nicht.
  • Porridge eigent sich hervorragend als Haarfestiger.
  • Andere Eltern sind seltsam. Andere Kinder verwöhnte Bälger. Ausnahmen bestätigen die Regel.
  • Ich sitze nicht sehr viel oder oft. Für unterwegs eignen sich hier zur Unterhaltung Podcasts. Und um den Servicegedanken dieses Blogs gerecht zu werden, hier ein paar Empfehlungen. Ideal zum Kinderwagenschieben, Autofahren, Laufen etc.pp. (alle sind auch über ITunes verfügbar).

Die Literaturagenten: Mein Einstieg in die Podcast-Welt. Allwöchentlich werden hier die aktuellen Neuerscheinungen präsentiert. Kurzweilig, interessant, nicht hochgestochen.

Eine Stunde History: Gut verständlich aufbereite Beiträge zu verschiedensten Geschichtsthemen.

Serial: Die erste Staffel. Da war ich wirklich hooked. Ich bin sogar extra länger spazieren gegangen, nur um noch eine Folge zu hören. Ich hätte nicht gedacht, dass mich True Crime so kriegt. Adnan Syed soll seine Exfreundin Hae Min Lee ermordet haben und sitzt dafür im Gefängnis. Er sagt nach wie vor, er war es nicht. Journalistin Sarah Koenig rollt den Fall wieder auf. Unglaublich spannend. Pluspunkt dafür, dass sie sich nie auf eine Seite schlägt. Die zweite Staffel hab ich dann nicht mehr gehört. Da geht es um einen Soldaten, der fünf Jahre bei den Taliban in Gefangeschaft war und dann wegen Desertieren angeklagt wurde. Hat mich nicht so gefesselt.

Here’s the Thing: Alec Baldwin interviewt Kolleginnen und Kollegen und andere Leute, die er spannend findet. Erstaunlich gut. Baldwin hat eine herrliche Stimme und kann tatsächlich gute Gespräche anleiten. Allerdings finde ich die Folgen, in denen er mit ungefähr gleichalten Männern spricht eher furchtbar. Da driften sie meist zu sehr in irgendwelche Anekdoten oder Erinnerungen ab, die ich weder lustig noch interessant finde, wenn ich denn verstehe, wovon sie reden.

In our Time: Endlich auf was Britisches. Melvyn Bragg (what a name!) lädt sich immer drei ExpertInnen zu einem Thema ein und die plaudern dann. Die Themen reichen von Cicero über Moby Dick bis hin zu Pilzen und Kant’s Kategorischen Imperativ. Was zum Lernen.

Pardon my French: Fotografin, Grafikerin und Bloggerin Garance Doré interviewt Leute, die sie interessant findet. Anfangs war auch hin und wieder was in Französisch dabei, weshalb ich da auch hängen geblieben bin. Unterhaltsam und gut gemacht. Bei der Kategorie “Pocket Pardon my French” bin ich recht zwiegespalten. Da plaudert sie mit Freundinnen über ein Thema. Einerseits sind sie manchmal echt unterhaltsam, mir andererseits oft zu amerikanisch (GD ist in die USA ausgewandert). Beim Thema “Wedding Planning” bin ich zwischen Lachen, Augenrollen und Schnauben gependelt.

Das kleine Fernsehballett: Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier reden übers Fernsehen. Und machen das sehr gut. Niemand seufzt schnaubend oder schnaubt seufzend so schön wie SN. Und mit SK ergänzt er sich wunderbar. Vielleicht ist es auch eine Art Ersatzbefriedigung, weil ich einfach nicht so viel zum Fernsehen komme. Aber wenn, dann hab ich eine lange Liste, die ich sehen will. Und einstweilen lasse ich mich podcasttechnisch unterhalten.

My Dad wrote a Porno: Der Titel ist Programm. Jamie Mortons Vater hat einen erotischen Roman geschrieben. Belinda blinked. Und nun liest er jeder Woche ein Kapitel zwei seiner Freunde vor. Und die drei besprechen auch gleich das Geschriebene. Das Buch ist unsagbar schlecht, der Podcast unglaublich lustig. Laut-auflach-egal-wo-man-ist-lustig. Schiefe Blicke sind garantiert. Sie sind es wert.

Überraschungseffekt

Ach Kinder, es gibt sie noch, die Heureka-Momente in der Beziehung mit dem Göttergatten. Was ja schön ist, denn es zeigt, dass wir uns noch überraschen können. Und ja, das ist im positiven Sinn gemeint. Kürzlich also schaut der GG mich etwas entsetzt an, weil ich doch tatsächlich an einem Dienstagabend mit Besen und Kehrichtschaufel ausgerückt bin, um die Katzenstreu-Teilchen, die eine übereifrige Mutz aus dem Katzenkisterl geschleudert hat, aufzukehren. Nicht die einzige Putzaufgabe, die das Zusammenleben mit einer Katze so mit sich bringt. Wenn man nicht mindestens alle zwei Tage saugt oder swiffert, lurcht einem das haarballige Mengenäquivalent einer zweiten Katze entgegen. Warum Mademoiselle Marie Antoinette trotzdem nicht nackt ist, ist eines der großen Rätsel der Menschheit. Dass es unter der Woche immer ich bin, die ausrückt um den Lurch aus der Wohnung zu kriegen (Sisyphos, anybody?) habe ich darauf geschoben, dass ich den Dreck einfach früher sehe. Also muss er von mir aus auch früher weg. Ich hatte immer den Eindruck der GG sieht selektiver oder verfügt über eine andere innerliche Schmutzigkeits-Skala. Für ihn wäre demnach die Wohnung noch im unteren Grünbereich wenn ich schon lange Rot sehe. Ich war sehr stolz auf mich, dies erkannt zu haben. Und bitte, bis zu einem gewissen Grad auch akzeptiert. Und ihn dazu gebracht zu haben, dass einmal pro Woche Wohnungputzen angesagt ist. Und jetzt das. Mein so mühsam erworbenes Wissen wird vollkommen infrage gestellt. Ach was, es stellt sich als falsch heraus. Denn was antwortet der GG, als ich ihn, seinen warum-putzt-du-jetzt-Blick bemerkend, frage, ob er den Dreck nicht sieht? “Doch, aber es gibt Putztage und Tage an denen nicht geputzt wird.” Ha. Ja, das bringt mein Erkenntnissystem ins Wanken. Allerdings könnte sich auch ein wenig Ärger in mir regen. Denn der sieht den Dreck aber weil der falsche Tag ist, lässt er ihn liegen. Ernsthaft? Aber wie gesagt, zumindest können wir uns noch überraschen.

Rosa Brille

Kinder, wie die Zeit vergeht. Und ja, es stimmt, was alle sagen: An Kindern sieht man das besonders gut. Den grade war Mademoiselle noch ein frischgeschlupftes rosa Minizwutsch und schon ist sie aus allen Anfangssachen rausgewachsen, kann ihren Kopf halten und übt den Unterarmstütz. Natürlich ist sie das beste Baby ever – trust me, I made her – und ich könnte jetzt seitenweise von Mademoiselle N. schwärmen, aber da gibt es etwas, das mich vor allem die letzten acht Wochen sehr beschäftigt.

Warum, frag ich euch, warum sind alle Mädchenbabysachen rosa. Oder pink. Oder wenn es Richtung unisex geht gibt es maximal Grau, Beige oder Weiß. Alles so gedeckte Farben. Wo bleiben die quietschbunten Babysachen (und ich bin wirklich sehr viele Geschäfte abgeklappert) oder bin ich aktuell die einzige, die findet, dass Babys bunt angezogen sein sollten. Zumindest hin und wieder. Und dass diese rosa-himmelblau Geschlechterdefinition schrecklich ist und ungeahnte Ausmaße annimmt. Aus Erfahrung kann ich nach neun Wochen sagen: Sobald ein Baby nicht rosa angezogen ist, dann wird angenommen, dass es ein Bub ist. Egal, ob es jetzt meiner Meinung nach völlig unisex im blau-weiß gestreiften Strampler mit rotem Westerl unterwegs ist oder grüne Wollsocken trägt oder in einem dunkelblauen Schianzugsack steckt. Und auch wenn ich mich nicht sehr gerne auf die Vergangenheit als so viel besser berufe, aber das war früher schon anders und meines Erachtens nach besser. Ich finde es tatsächlich schrecklich, schon Frischgeschlupfte in die “richtigen” weil geschlechterdefinierenden Farben zu packen. Ich habe jetzt nicht per se etwas gegen Rosa. Es gibt eh süße rosa Sachen, aber es gibt halt nur rosa und die getrennte Kleidung ist ja nur ein Vorbote für all die anderen Geschlechtertrennungen im Kindesalter. Eigene Wasserflaschen, Bücher, Überraschungseier – you name it. Mädchen sind Prinzessinnen, Buben Piraten. Mädchen kriegen hübsches, häusliches Spielzeug, Buben Basteleien und Waffen. Es wird eine ganz schöne Herausforderung meine Tochter davor zu bewahren, das sie zu früh in irgendwelche Rollenbilder hineingepresst wird, die wohl deshalb von der Industrie so forciert werden, weil sie dadurch mehr verkaufen kann. Denn wenn alles so spezifisch auf ein Geschlecht zugeschnitten ist, muss man ja im Falle von zumindest zwei Kindern unterschiedlichen Geschlechts alles doppelt kaufen. Mademoiselle N. hingegen trägt einstweilen die Sachen vom Cousin nach. Glücklicherweise haben wir genug Kleidung geschenkt bekommen – in rosa natürlich- sodass ich nicht ständig sagen muss: Nein, das ist ein Mädchen.

Seit ich ein Kind hab

Also alles kann ich so ja (noch?) nicht unterschreiben aber es ist schon sehr, sehr realitätsnah. Ähem.

Vielleicht sollte auch noch angefügt werden, dass seit ich ein Kind hab, ich vom Weltgeschehen praktisch nichts mehr mitkriege (Was aber möglicherweise an meiner Prioritätensetzung liegt. Denn die Zeit, die mir fürs Lesen bleibt, nutze ich lieber für Bücher als Zeitungen.) und die Waschmaschine im Dauerbetrieb läuft. Und dass….Aber das ist ein Thema für einen zweiten Eintrag.

Von Yoda-Krampussen und George Michael

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Der Göttergatte dürfte diesen Advent eine Mission haben. Meine Ent-Grinchung. Das vergangene Wochenende hat er damit verbracht, mich mit Weihnachtmusik zu beschallen. Aber nur die, von der er weiß, dass sich mir dabei nicht die Zehennägel aufrollen und die Nackenhaare aufstellen. Er hat beim Schmücken unserer Weihnachtsbirke das dicke Hippo mit Turmfrisur, das ihn beim Kauf nicht so richtig überzeugt hat, widerstandslos aufhängen lassen. In meiner kindlichen Freude über den Baumbehang hat er wohl ein leichtes Auftauen gegenüber Weihnachten im Allgemeinen gesehen. (Für alle, die sich fragen, warum man denn als Nicht-Weihnachtsliebhaberin einen Baum schmückt: Erstens: Es gibt so großartigen Schmuck und ich mag unsere Tradition jedes Jahr ein absurdes Stück zur Sammlung hinzuzufügen. Zweitens: Wenn schon Baum, dann während der Adventzeit. Für einen Abend zahlt sich das ja überhaupt nicht aus. Drittens: Eine Birke ist ideal, weil sie nicht nadelt und trotzdem schön ausschaut. Auch unterm Jahr.) Er hat sogar die Idee Planter’s Punch als Aperitiv beim Weihnachtsessen zu servieren (falls das Essen tatsächlich Colombo de Poulet wird) einigermaßen wohlwollend aufgenommen, vor allem nachdem er erkannt hat, dass das einen frühzeitigen erhöhten (aber nicht überhöhten)  Alkoholspiegel bei den Eltern verursachen würde, der sehr zum Weihnachtsfrieden beitragen kann. Wenn richtig dosiert.

Um meine Beteiligung an Weihnachtsabendaktivitäten zu erhöhen – im Normalfall beschränke ich mich aufs Lesen der Weihnachtsgeschichte. GGs Familie scheint der festen Überzeugung zu sein, dass weil ich Literatur studiert habe, ich gut vorlesen kann. Wer übrigens für einen Schreckensmoment unter der katholischen Anverwandtschaft sorgen will, kann einmal beiläufig erwähnen, dass sich natürlich irgendwo in diesem Haushalt eine Bibel befindet. Eine luthrische nämlich, noch von der sehr protestantischen Großmutter väterlicherseits. Sehr alt, wunderschön. Wir können gerne die nehmen. –  hat der GG vorgeschlagen doch gemeinsam Weihnachtslieder zu spielen. Die Vorteile seien für mich enorm. Ich müsste nicht singen. Je nach aktuellem Passiv-Aggresivitäts-Level spiele ich zumindest Lip-Sync oder sitze mild lächelnd oder anteilnahmslos vor mich hinstarrend dabei, während die anderen singen. Und wir könnten auch modernere Lieder spielen. Jetzt sitze ich also da und übe Feliz Navidad und Last Christmas und verfluche George Michael, der ein relativ einfache Lied zähltechnisch wirklich kompliziert gestaltet hat.

Zudem habe ich mich zum allerersten Mal an Germteig-Krampussen versucht. Wenn man am Sonntag eh um halb acht wach wird, kann man ja gleich was für die Mädels beim Gilmore-Girls Marathon backen. Sie schmecken ja ganz gut. Vom Aussehen her erinnern sie allerdings eher an Meister Yodas für Schenkelfixierte. Ich fürchte, der GG hat noch einen weiten Weg vor sich, bei der Ent-Grinchung.

Von Katzen, Hunden und Bogenschützinnen

Es gibt so ein paar ungelöste Rätsel der Menschheit, mit denen ich regelmäßig konfrontiert bin. Etwa die Beschlagwortung in Fotoagenturen. Es ist zum Beispiel erstaunlich, wie oft ein Tiger zu sehen ist, wenn man einfach Katze gesucht hat. Würde man nicht Tiger eingeben, wenn man einen Tiger haben will? Na gut, Tiger sind Großkatzen und deshalb ist dieses Suchergebnis zumindest irgendwie nachvollziehbar. Warum ich allerdings bei den Suchworten Katzen+Aggression eine mitteljunge, schlecht-henna-gefärbte Dame in sehr knappen Hotpants und noch knapperem Oberteil mit einem Bogen über die Schulter geschwungen auf einem Felsen stehend (die Pose wird variiert) angeboten bekomme, ist mir tatsächlich ein Rätsel. Überhaupt tauchen in Verbindung mit dem Suchwort Katze sehr häufig nicht ganz vollständig bekleidete Frauen Marke Ost-Domina auf. Trauen sich Menschen, die derartige Fotos brauchen – für Kataloge? Broschüren? Plakate für die Erotikmesse? – nicht nach eindeutigeren Schlagworten zu suchen oder gibt es einen Code, ein spezielles Vokabular, das in diesem Fall angewandt wird. Ich wäre über Aufklärung wirklich sehr dankbar.

Vergleichsweise harmlos, wenn auch nicht weniger bedenklich, allerdings auf einer anderen Ebene, ist die Menge an Katzenbildern die kommen, wenn man Hund+Arzt+Stethoskop sucht. Kann ich bei vorigem Beispiel mir zumindest noch gewisse Erklärungen zusammenreimen, stehe ich hier wirklich an. Liebe Agentur-MitarbeiterInnen: Hunde und Katzen haben zwar beide vier Pfoten und ein Fell und sind die beliebtesten Haustiere, sind aber tatsächlich so gar nicht miteinander verwandt, verschwistert oder verschwägert. Wenn ich einen Hund will, will ich einen Hund. Wirklich.

Wär’ ja schade ums Genmaterial

Ihr kennt das Phänomen: Man überlegt sich, sagen wir, ein neues Auto zu kaufen, einen Twingo vielleicht. Und plötzlich sieht man allerorts Twingos herumfahren. Ich sehe aktuell vor allem schwangere Frauen. Die sind wirklich überall. Also kann es mit den zukünftigen Pensionszahlungen in diesem Land ja nicht so schlecht ausschauen. Der Göttergatte und ich tun auch unseren Teil dazu. Wär’ ja auch schade um das Genmaterial. So eine Schwangerschaft kommt aber auch mit ein paar Komplikationen. Etwa dem wem und wann-Erzählen. Es ist ja nicht ganz unüblich mit der Mitteilung an Familie, Wahlverwandtschaften und Freunde etwas zu warten und nicht gleich mit dem positiven Schwangerschaftstest beim nächsten Sonntagsbrunch herumzuwedeln. Dass die übliche Schwangerschaftsübelkeit aber just in dieser ersten Phase auftritt, erschwert die Aufgabe des für sich -Behaltens erheblich. Der Ekel vor praktisch sämtlichen Lebensmitteln und Speisen lässt sich nur sehr schwer überspielen. Vor allem wenn sowohl Mutter als auch Schwiegermutter mit einer beängstigenden Dringlichkeit auf Enkel warten und so jedes vorhandene oder eingebildete Zeichen in diese Richtung deuten. Und das seit Monaten, ach was sag ich, Jahren. Übrigens: Sie haben es eh schon gewusst. Die Zeichen, die waren ein-deu-tig.

Der erste, den wir über meinen aktuellen Zustand informieren mussten, war der Wirt in dieser entzückenden Trattoria in Triest, der aufeinmal mit der Grappaflasche am Tisch gestanden ist. Das Wort, das ich für “schwanger” verwendet habe, war scheinbar nicht korrekt, also wurde ein “bambino” mit Fingerzeig auf meinen Bauch daraus. Wie man es sich bei einem Italiener vorstellt, ist er sofort in Verzückung geraten und hat mir gratuliert. Ein vorsichtiges Nachfragen beim Göttergatten, ob er denn der Vater sei, und die Begeisterung, über das ja, das ist der Erzeuger, hat dem GG dann auch gleich drei Runden Grappa eingebracht.

Man muss ja dann leider in die wunderbare Welt der Kinderausstattung eintauchen. Kinderwägen zum Preis eines Mittelklasse-Autos, Kinderbetten in den Ausführungen hässlich bis unpraktisch, Babywannen, Fläschchen, Windeln, Stillkissen und zahlreiche andere Sachen, die auf diesen tollen Kinderlisten stehen, an die ich mich aber tatsächlich nicht mehr erinnern kann. Wieviel Scheiß kann so ein kleines Zwutsch denn brauchen? Nach jedem Ausflug in eine Babyabteilung muss ich ein paar Wochen Pause einlegen, um nicht komplett auszuticken.

Der GG ist zwar ebenso reizüberflutet aber nach wie vor organisierter und erledigungsfreudiger als ich. Was bisher zum Erwerb eines Kinderbettes geführt hat. Möglicherweise nicht die allerdringendste Erledigung, aber irgendwo muss man mit dem Abhaken anfangen. Und solche Aufgaben lenken den GG zumindest von anderen Spinnereien ab. Ich habe nämlich nicht nur den Fehler gemacht, ein Schwangerschaftsbuch zu kaufen – es war übrigens das einzige, bei dem beim ersten Durchblättern nicht auf jeder zweiten Seite gestanden ist: “Genießen Sie die Schwangerschaft, atmen Sie, streicheln Sie ihren Bauch.” – sondern auch dieses dem GG zu zeigen. Das hat dazugeführt, dass er mit dem Bratenthermometer mein Badewasser misst (Warum Bratenthermometer und nicht Fiebermesser? Ich habe tatsächlich keine Ahnung.) und wenn es zu heiß ist mich nicht hineinlässt, bevor es nicht auf die vorgeschriebenen 36 Grad abgekühlt ist. Und darf ich sagen: 36 Grad sind nicht sonderlich warm. Da verkürzt sich die Badezeit ungemein. Ich habe dem GG das Buch dann weggenommen. Ich persönlich lese es auch nicht mehr. Nachdem darin empfohlen wurde, vor der Geburt vorzukochen und einzufrieren, damit die Liebsten sich im Wochenbett um einen kümmern können und nicht mit so lästigen Sachen wie Kochen ihre Zeit verplempern müssen, habe ich befunden, dass ich meine Zeit nicht mit dem Lesen von Schwachsinnigkeiten, die nur meinen Blutdruck in die Höhe treiben, vergeuden muss.

 

Ist das nicht mehr modern? oder Wo ist die Selbstironie geblieben

Man soll ja seinen Horizont immer erweitern und offen für Neues sein. Also war ich kürzlich mit der lieben A. bei einem Galerien-Abend. Moderne also zeitgenössische Kunst ist für mich in den meisten Fällen ein spanisches Dorf aber ich gebe nicht auf. Was dann dazu führt, dass ich von Galerie zu Galerie, von Kunstwerk zu Kunstwerk stolpere und verzweifelt versuche, das Gesehene zu verstehen. Weil das ist ja die Crux an dieser aktuellen Kunst: Die hat eigentlich immer eine Botschaft, die sie aber gut zu verstecken weiß. Und wenn man dann niemanden bei der Hand hat, der da ein wenig Hintergrundinfo liefert, kann man also nur hoffen, dass das Ding wenigstens ästhetisch ansprechend ist. (Ist es meistens nicht). A. ist zwar wesentlich kunstaffiner – wollte das auch fast studieren – tut sich mit aber teilweise auch schwer. Die logische Konsequenz? Anstatt, dass wir die Kunst betrachtet haben, haben wir recht bald die Menschen beobachtet, die die Kunst betrachten. Ein wirklich erstaunlicher Blick eine Parallelwelt. Man muss scheinbar schon mit seinem extravaganten Kleidungsstil – relativ abenteurerlich um den Kopf gewickelte Tücher in Farben und Mustern, die ich schon für überwunden gehalten habe, sind da wieder en vogue – sagen: Hey, ich bin Teil der Kunstszene. Wichtig ist es auch mit konzentrierten Blick vor einem Bild stehen, das, sagen wir, weiß ist mit drei hellblauen Strichen, und bedeutungsschwere Sätze sagen wie: “Es ist unglaublich, wie der Künstler die Einsamkeit des Individuums in der Zeit der digitalen Revolution darstellt.” oder “Es geht so eine unfassbare Energie von diesem Werk aus.” oder “Also in seinem letzten Zyklus war er viel kompromissloser.” Was dann entweder zustimmendes Gemurmel nach sich zieht, gefolgt von einer tiefschürfenden Diskussion über das frühere Werk von Künstler X, der Ähnlichkeit zu Künstlerin Y oder dem generellen Sinnverlust unserer Gesellschaft oder heftigen Widerspruch erntet, gefolgt von einer tiefschürfenden Diskussion über das frühere Werk von Künstler X, der Ähnlichkeit zu Künstlerin Y oder dem generellen Sinnverlust unserer Gesellschaft. Was aber ganz verpönt zu schein sein, ist zu lächeln oder gar zu lachen. Tatsächlich habe ich praktisch ausschließlich ernste, intellektuell anspruchvolle Gesichtsausdrücke gesehen.

Was mich zu der Frage bringt: Wo bitte ist denn der Humor hin? Die (Selbst)-Ironie? Macht man das heute nicht mehr? Denn die Sache ist die: Die Kunstszene ist offensichtlich nicht die einzige, die sich selbst so irrsinng ernst nimmt. Und dabei gar nicht sieht, inkohärent ihr Verhalten oft ist, gar wie lächerlich sie in ihrer Ernsthaftigkeit und Selbstüberzeugung sind. Menschen mit zu engen oder einfach nur unvorteilhaft geschnittenen Hosen, die alles von ihrem Lebensmotto bis zu ihren Essgewohnheiten (was oft ein und dasselbe ist) auf ein Stoffsackerl gedruckt haben, sehen keine Dikrepanz darin, sich über Identitätsverlust im digitalten Zeitalter, Cybermobbing und dem Verlust sozialer Kompetenzen aufzuregen und gleichzeitig auf Instagram sämtliche Mahlzeiten, Outfits und Ortswechsel zu posten und nur noch über WhatsApp zu kommunizieren. Stadtmenschen, die sich um Urban Gardening-Parzellen prügeln, die sie dann mit einer erstaunlichen Ahnungslosigkeit (die durch einen Blick in ein Gartenbuch beseitigt werden könnte) mit einer Auswahl an Gemüsen vollstopfen, die niemand essen mag und die nährstoffanspruchstechnisch so überhaupt nicht zusammenpassen (bitte setzt ganz viel Mais, der laugt den Boden gar nicht aus), wollen dann schon irgendwie aufs Land ziehen, wo’s so schön ist, können für die Leute dort aber nur eine Mischung aus Verachtung, Mitleid und Herablassung zusammenkratzen. Menschen (Männer) jenseits der 30, die aufeinmal wieder (oder gar zum ersten Mal?) mit einem Skateboard – oh, Verzeihung, Longboard – durch die Straßen fahren, verstehen das Amüsement, das sie hervorrufen, so gar nicht. Wir lachen über Männer mit fliehendem Haaransatz, die sich fette Autos unter ihre immer schlaffer werdenden Hintern schnallen. Aber solche, die sich in einem letzten Aufbäumen ihres inneren Teenagers, der sich aufeinmal mit erwachsenen Dingen wie einem fixen Job, einer festen Beziehung und leiblichem Nachwuchs konfrontiert sieht, auf Holzbrettern mit vier Rädern dem Alterungsprozess davon rollen wollen um in den elysischen Feldern der ewigen Jugend zu verweilen, sollen wir Ernst nehmen? Ernsthat?

Ah, vielleicht liegt es an mir. Ich habe mich bisher selten ernst genommen. Ich lache über mich, wenn ich nur laufen gehen kann, wenn ich das richtige (sprich neue) Outfit dafür habe und wenn ich in einem seltenen Anfall von Sportehrgeiz mich über das Überschreiten der Wunschzeit bei einem Rennen ärgere. Ich lache über mich, wenn ich ganz unbedingt den Vorraum neu streichen muss, weil ich die Farbe nicht mehr aushalte und so auch gleichzeitig das Gefühl habe, umgezogen zu sein. Ich lache über mich, wenn Tage damit verbringen, die beste Ordnung meines Bücherregals zu überlegen. Ich lache über mich, wenn ich zum fotografieren einer Geschichte auf einem Stuhl stehend mit Leckerli vor einer Hundeschnauze wedeln muss, von einem Meerschweinchen angekackt werde oder bei über 30 Grad im Schweinestall stehe. Ich lache über mich, wenn ich bahnbrechende Reportagen über Schneeglöckchen, Schachbrettblumen oder Orchideen schreibe. Ich lache über mich, wenn ich während eines Telefongesprächs mit einem Tierarzt verzweifelt Begriffe google, nur um mitzukriegen, wovon um alles in der Welt der da redet. Was ich sagen will: Nehmt euch doch bitte nicht so ernst. Ein bisserl Selbstironie hat noch niemanden geschadet.

Un petit peu de moi

Die erste wirkliche Hitzewelle des Jahres ist angerollt. Ich find’s toll, aber andere scheinen mit gereizten Nerven zu reagieren. Jetzt habe ich aber beschlossen, mich in solchen Fällen nur kurz zu ärgern und dann fröhlich weiterzuleben. Weil ändern kann man die Leute eh nicht, nur die eigene Reaktion. Und ja, ich fühle mich sehr erwachsen, wenn ich so etwas schreibe. Zurück zum Sommersonnenschein. Als solarbetriebenen Menschen freut mich, dass die Sonne vom Himmel brennt. Als Mensch mit genug entzückendem Sommergewand stört es mich weniger, dass ich mich mehrmals pro Tag umziehen muss. Wobei ich in meinem Rückkehr-Feng-shui-Declutter-Anfall scheinbar versehentlich ein paar meiner Lieblingsleiberln weggeben habe. Die müssen irgendwie in den falschen Stapel gerutscht sein. Wurscht. Zu spät. Was wollte ich sagen? Ach ja, Sonne, Sommer – alles gut. Ich habe es inzwischen auch geschafft einen neuen Lebenslauf zusammenstellen, mit dem ich optisch wie inhaltlich zufrieden bin. Das Schlimmste war allerdings das passende Foto zu schießen. Der Göttergatte und ich haben fast einen Tag gebraucht, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu liefern. Fast 500 Fotos nur damit ich schlussendlich vier habe, auf denen ich weder debil noch angefressen wirke noch grinse wie frisch lackiertes Hutschpferd. Aber wir wollen jetzt nicht weiter übers Arbeitsleben reden, sondern uns langsam aufs Wochenende eingrooven. Geht mit dem richtigen Soundtrack immer leichter. Die zwei Hübschen im Anhang sind meiner Meinung nach prädestiniert dafür, die Hintergrundmusik zum Sommer zu liefern. Fehlt nur noch ein Glaserl Rosé.

Geräuschkulisse

Ein Workshop zum Thema Geräusch im Grätzl hat mir nicht nur vor Augen geführt, wie leicht es ist, mit einem halbwegs guten Aufnahmengerät jemanden abzuhören, sondern auch, aus wie vielen Einzelgeräuschen sich die Geräuschkulisse “Stadt” eigentlich zusammensetzt. Doch neben, den steten Hintergrundgemurmel tun sich immer auch spezielle Geräusche hervor. Als home-office-Mensch, der ich aktuell bin, entwickelt man irgendwie auch aufgrund der Geräusche, die einen täglich umgeben, eine andere Beziehung zu seiner Wohnung. Finde ich halt. Da fällt einem auch auf, wie viele Menschen eigentlich tagsüber zu Hause sind. Vor allem, wenn man einen Innenhof hat und sein Büro ein Fenster zu diesem. Der sein Handwerk beherrschende Pianist macht mir zum Beispiel sehr viel Freude. Ein schöner Gegenpol zu unserer Nachbarin von unten, die eine zeitlang an ihr musikalisches Talent geglaubt hat und mit wenig Können aber dafür umso mehr Ausdauer jeden Sonntagmorgen den Floh-Walzer geübt hat. Als sich auch nach mehrwöchigem Abquälens kein Erfolg eingestellt hat, hat sie aufgegeben. Ich bin dankbar.

Die Nachbarin von nebenan hat einerseits einen kleinen Hund, der gerne anschlägt, andererseits einen wirklich hartnäckigen Husten. Den hatte sie schon vor unserem Frankreich-Jahr und irgendwie ist sie ihn noch immer nicht losgeworden. Das gelegentliches Gehüstel verfügt aber über ein verschwindend geringes Störpotential im Vergleich zum Beuschel-Reißen des Paares aus der Innenhofwohnung gegenüber. Vor allem Madame dürfte eine wirklich verschleimte Lunge haben. Wenn mir nicht jedesmal so schlecht dabei würde, wenn sie loslegt, hätte ich vielleicht Mitleid. Der Göttergatte rät mir ja bei Husten immer zu Inhalieren. Nun, das tut die Gute ja auch, aber halt nur aus der Bong. Dürfte nicht helfen.

Ein Hofbewohner spielt liebend gerne französische Chansons, sehr zu meiner Freude. Ein anderer liebt es zu Bohren. Eher nicht so zu meiner Freude. Entweder arbeitet er an einem Kunstwerk oder er hat inzwischen recht löchrige Wände. Die Nachbarin von oben mit dem extremen Fersentritt, die zudem bevorzugt um zwei in der Früh steppgetanzt hat – nachdem ich dann bei ihr auf der Matte gestanden bin, hat sie das doch unterlassen – ist glücklicherweise ausgezogen. Die neuen Nachbarn sind eher sanfte Schleicher.

Ich persönlich bin natürlich die beste Nachbarin von allen. Mit einem eklektischen Musikgeschmack, sanftem Auftreten und keinen lauten chronischen Krankheiten