Hungersleid

Weil mir der Magen grad wieder bei den Knien hängt (warum komme ich, wenn ich von zu Hause aus arbeite, immer viel zu spät drauf, dass le Bauch gefüttert werden will?), hab ich mich an das Foto erinnert. Ich find das so total entzückend, kann mich aber leider nicht mehr an den Namen des Restaurants erinnern (ein Inder im Achten, falls das hilft.) Wir waren in einem anderen Lokal, aber nur, weil wir das bezaubernde Schild nicht schon vorher gesehen haben.

2014-04-04 22.12.19 Kopie

Weltanschauung

Ich bin zwar noch ein rechtes Stückerl von 44 entfernt, aber da hab’ ich endlich was zum hinfreuen. Denn angeblich wird man ab diesem Alter zynischer. Also so richtig. Dieser Artikel im Guardian versucht dem auf die Spur zu kommen und verteidigt (danke!) Zynismus. Tatsächlich bin ich sicher keine Hardcore-Zynikerin, aber ja, die Tendenz ist. da. Und da kann ich Sätze wie “If there’s one thing that makes me cynical, it’s optimists.” nur unterschreiben. Ernsthaft, wie haltet jemand so viel rosa Brille aus? Die Welt ist halt einfach schlecht. Oder um noch einmal aus dem Artikel zu zitieren: “A more balanced definition of a cynic, courtesy of the trusty Oxford English Dictionary, is someone who is “distrustful or incredulous of human goodness and sincerity”, sceptical of human merit, often mocking or sarcastic. Now what’s not to love about that?”

So true.

Bergluftlust

Ich würde ja echt gerne von mir behaupten, dass ich die Größe habe Fehler oder Fehleinschätzungen oder auch später korrigierte Ansichten einfach so zugeben zu können. Kann ich aber nicht. Ich klammere mich meistens bis zum bitteren Ende an meine Ursprungsversion. Nur in wirklich harten Fällen kann ich hin und wieder dann doch Einsicht zeigen. Ja, kein schöner Charakterzug, aber hey, ansonsten bin ich total liebenswert. Anders gesehen sind Eingeständnisse dann umso markanter, oder? Na, jedenfalls wird es jetzt wohl einmal wirklich Zeit für ein solches. Hört schon jemand meine Zähne knirschen?

Gut, hier kommt’s: Ich mag Bergwandern. Jetzt ganz offiziell und schriftlich. Ich find’s super, mich da x Höhenmeter raufzuquälen nur damit ich oben stehen kann, die Aussicht genießen und sagen kann: Ich hab’s geschafft. Die Landschaft ist egal wo, immer nur eine Wucht – egal ob Kalkstein oder satte Almwiesen, klare Bergseen oder Schneefelder. Ich bin unglaublich stolz auf mich, wenn ich ein etwas haarigeres Stück überstanden hab. Die Matratzenlager auf einer Mehr-Tagestour machen mir nichts aus. Also fast. Denn nach vier Nächten mit Kampfschnarchern im Zimmer gehe ich immer etwas am emotionalen Zahnfleisch. Aber wenn das nicht wäre, was aber leider ist, weil immer einer schnarcht -wobei, vielleicht nicht ganz so dezibellastig, dann ist es nicht so schlimm -also dann würden mir die Matratzenlager gar nichts ausmachen. Und meine Höhenangst ist inzwischen auch am Rückzug.

Die Veränderung kam schleichend. Mein Unsportlichkeit wurde bis vor ein paar Jahren ja nur von Benjamin Blümchen übertroffen. Dann kam W. und wollte Sachen machen. Lange hab’ ich mich gewehrt. Die erste Bergtour war eine Katastrophe. Am Jägersteig am Dobratsch dachte ich, ich muss sterben. Erstens weil der Pfad so schmal und steil war. Zweitens weil ich nach einer halben Stunde einem Schlaganfall nahe war. Doch irgendwann war Sachen machen eh nett und inzwischen will ich sogar selbst Sachen machen. Etwa ein Besuch im Hochseilgarten. Der war eigentlich ein Geschenk an den lieben W. Und bis er bei einer Station etwas blass um die Nase geworden ist, hat’s ihm, glaub ich, auch Spaß gemacht. Dabei war ich diejenige, die sich verhaspelt hat und dann in zehn Meter Höhe an den Sicherungsseilen gehangen ist, während sich unter ihr eine Menschenmasse versammelt hat. Klettermeister Franz hat dann via Pep-Talk vom Boden aus helfen wollen: “Komm schon, zieh dich hoch!” – Ich: “Ich hab keine Kraft. Ich kann mein eigenes Gewicht nicht hochziehen.” Er: “Nur ruhig. Du schaffst das.” Ich…Aber ich denke, ihr versteht was ich meine. Ich hab ja schon die Feuerwehr anrücken sehen, um mich aus den Seilen zu befreien. Wenn schon Erniedrigung, dann richtig. Aber dann ist es doch irgendwie gegangen und ich hab mich hochgewuchtet. Allerdings finde ich noch heute, über eine Woche später, blaue Flecken, bei denen ich mir denke: “Jö, wie ist denn das gegangen?” Aber für einen ordentlichen Endorphin-Ausstoß kann ich so einen Hochseilgarten echt nur empfehlen. Nach ein paar Flying Foxes geht man wie auf Wolken. (Das könnte jetzt von gewissen Menschen falsch verstanden werden. Mir reicht sonst tatsächlich ein FF.)

Wie ich auf das Ganze jetzt komme? Vergangenen Samstag waren wir wieder am Jägersteig am Dobratsch. Ich bin freiwillig am Samstag um sieben auf, um auf einen Berg zu hatschen. Punkt eins. Es hat sich nicht gefährlich angefühlt da raufzulatschen. Punkt zwei. Ich bin zum Nebengipfel hinübergegangen, auf dem Weg, den ich vor zehn Jahren nicht unter Todesdrohung überwunden hätte. Punkt drei. Es war nicht anstrengend. Punkt vier. Was soll ich sagen, der liebe W. hat mich soweit. Aber eines möchte ich doch noch anmerken: Wenn ich schon so großmütig bin und ihm einmal Recht gebe – also quasi. Im Prinzip hab ich ihm nur obrige Punkte mit Betonung auf Numero vier aufgezählt. Aber bitte, der Mann hat einen Doktor-Titel, soll er sich das doch selbst zusammenreimen. – Jedenfalls, wenn der Großmut mich überkommt, könnte man das auch großmütig annehmen. Und nicht mit Sätzen á la “Ja, siehst. Es ist schon sinnvoll, wenn man etwas für seinen Körper tut.” kontern. Bitte! Danke!

 

Die Hecke, die Schere und ich

Jeder hat so seine Nemesis. Meine hört auf den Namen Hecke. Meist Thuje, gern auch Berberitze. Letztere ist nicht nur schiach sondern tut auch noch weh. Meine Eltern lieben Hecken (ein eindeutig rezessives Gen), was zur Folge hat, dass ein Großteil des, wenn man es so betrachtet, nicht kleinen heimatlichen Grundstücks davon umgeben ist. Und inzwischen fällt es in meinen Aufgabenbereich, diesen wuchernden Ungetümen Einhalt zu gebieten. Seit vergangenem Jahr rücke ich also mit der Heckenschere bewaffnet aus und versuche Thujen und Berberitzen und den gelegentlichen Buchs auf eine für mich akzeptable Größe zusammenzustutzen. Das Ergebnis sollte nach Möglichkeit optisch ansprechend sein. Das ist aus mehreren Gründen nicht einfach.

1. Eine Hecke war für meinen Vater nur eine Hecke, wenn sie mindesten zwei Meter hoch war. Drei sind noch besser. Wie es ein 1,64 m großer Mann geschafft hat ohne Hilfsmittel wie Leiter oder Gerüst eine Hecke auf dieser Höhe zu schneiden, und schön auch noch dazu, ist mir ein ewiges Rätsel. Ich bin doch sieben Zentimeter größer und ich sehe absolut keine Möglichkeit die Aufgabe zu bewältigen, ohne mich künstlich zu erhöhen. Es mag vielleicht daran liegen, dass meine Arme krafttechnisch eher an diese Tyrannosaurus Rex-Ärmchen erinnern. Vernachlässigenswert.

2. Eine Hecke ist für mich im Idealfall nicht größer als ich. Einfach weil sie leichter zu schneiden ist. Siehe Tyrannosaurus Rex-Ärmchen.

3. Beim Stutzen der Hecke von der väterlichen Idealgröße auf die töchterliche (oder zumindest daran angenähert) muss man bedenken, dass a) die Stämme mit der Zeit ziemlich dick werden können und so nicht mehr mit der Gartenschere gestutzt werden können, und b) innen braun werden. Punkt a) hat zur Folge, dass ich mit der Baumschere die gefühlten 200 Heckenmeter bearbeiten musste. Ist übrigens mindestens so gut wie Hanteltraining. Doch wie dieses müsste es, um einen tatsächliche Effekt abgesehen vom Muskelkater zu erzielen, regelmäßig über einen längeren Zeitpunkt ausgeführt werden. Einmal pro Jahr ist zwar auch regelmäßig, aber wohl nicht ausreichend. Punkt b) hat zur Folge, dass, wird zu viel weggeschnitten, das Grüne außen weg ist, und das Braun innen zum Vorschein kommt.

4. Ich bin mehr so die Grobmotorikerin. Ich bin eigentlich relativ gut darin, Büsche in ihre Schranken zu weißen. Oder, wie ich seit vergangenem Wochenende weiß, mit der Sense mannshohen Brennesseln zu Leibe zu rückten. Verletzungsfrei, abgesehen von Brennessel-Brennern, möchte ich anmerken. Bei einer Hecke geht es aber viel um die Feinarbeit. Im Prinzip bräuchte ich jemanden, der nach mir mit einer kleinen Schere und/etwas Geschick alles hübsch macht. Hab ich aber nicht. Das Resultat: eine windschiefe, wellige, mehr braun als grüne Hecke.

Ich gebe zu, dass ich in diesem Jahr, die tatsächliche Entwicklung meiner Fähigkeiten verkennend, möglicherweise etwas zu radikal vorgegangen bin. Aber ernsthaft: ich kann die Hecke ja nicht gewinnen lassen. Und auch wenn meine Beine (und auch mein Oberkörper. Es war heiß, da hat man halt nix Langärmeliges an) nach wie vor ein wenig so aussehen als hätt ich mit wilden Tieren gekämpft. Hecke: 0. Ich:1

Meine Frau Mama hat wohl ursprünglich gehofft, dass ihr Zwangsoptimismus aus dem vorigen Jahr, heuer nicht mehr notwendig wäre. Da hat sie sich ein bisserl geirrt. Er war sogar noch mehr gefordert. Doch auch wenn den leicht panischen Ausdruck beim Anblick der Hecke post Helena schnell überspielen konnte, ihr “Das wächst schon wieder” hat heuer ein wenig gezwungen geklungen. Am nächsten Tag hatte sie sich aber wieder voll im Griff und meinte schulterzuckend: “Na ja, so schlimm ist es ja gar nicht.” Mutterliebe halt. Die müssen das sagen. Glücklicherweise.